Rilke: Kindheit

Der April ist der Internationale Monat der Lyrik. Überlegt doch mal, wann ihr den letzten Vers gelesen habt- na? Genau es ist eine Ewigkeit her, deshalb nehmt euch die Zeit einen ganzen Monat lang, fast vergessene Gedichte wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Rainer Maria Rilke: Kindheit

Es wäre gut viel nachzudenken, um
von so Verlornem etwas auszusagen,
von jenen langen Kindheit-Nachmittagen,
die so nie wiederkamen – und warum?

Noch mahnt es uns -: vielleicht in einem Regnen,
aber wir wissen nicht mehr was das soll;
nie wieder war das Leben von Begegnen,
von Wiedersehn und Weitergehn so voll

wie damals, da uns nichts geschah als nur
was einem Ding geschieht und einem Tiere:
da lebten wir, wie Menschliches, das Ihre
und wurden bis zum Rande voll Figur.

Und wurden so vereinsamt wie ein Hirt
und so mit großen Fernen überladen
und wie von weit berufen und berührt
und langsam wie ein langer neuer Faden
in jene Bilder-Folgen eingeführt,
in welchen nun zu dauern uns verwirrt.

Habt ihr auch ein Lieblingsgedicht? Dann her damit! Wir wünschen ein schönes Wochenende und freudiges Bücherstöbern.